Dienstag, 1. August 2017

Interview mit der Coverdesignerin Michelle Tocilj von Snowblood Creations

Heute gibt es bei der Romance Alliance ein Kreuzverhör mit Michelle Tocilj von Snowblood Creations.


Hallo Michelle, wir freuen uns sehr, dass du dir heute die Zeit nimmst, um dich unseren Fragen zu stellen. Als Coverdesignerin von Snowblood Creations weißt du, dass Cover ein heißes Thema in der Buchbranche sind. Viele Leser werden erst dann auf einen Roman aufmerksam, wenn er ein ansprechendes Äußeres hat. Manchmal redet man sogar von reinen Coverkäufern. Heute wollen wir aber einen Blick hinter die Kulissen werfen und herausfinden, wie ein Cover aufs Buch kommt.
Einstieg: Erzähl uns für den Anfang doch erst mal etwas über dich und wie du zum Coverdesignen gekommen bist.


Mein Name ist Michelle Tocilj. Ich bin 25 Jahre alt und bin selbstständig. Zum Coverdesign bin ich eher zufällig gekommen – oder besser gesagt, durch einen dummen Zufall. Ich arbeite schon seit knapp 1 ½ Jahren mit Photoshop, bearbeitete hier und da ein paar Bilder, machte für Bekannte einfache Facebook Banner; einfaches Design eben. Eine Freundin hat auf Wattpad schließlich ihre erste Story veröffentlicht und wollte ein Cover haben. Also kam sie zu mir und hat gesagt: „Michelle, mach mir ein Cover zu der Geschichte!“ Und ich habe es gemacht. Kurz darauf kamen noch einige Anfragen von Autoren, die auf Wattpad sind – und dadurch habe ich mich mehr mit dem Thema Design, Bücher und Cover beschäftigt. Ich habe mich belesen, Tutorials geschaut, mich mit Designern unterhalten – und es vergingen gut 7 Monate, ehe ich gesagt habe: „Jetzt versuche ich es!“ Und ich habe mich in das Cover-Getümmel geworfen! Ich habe schon immer eine lichtkünstlerische Ader gehabt und alles kreative interessiert mich sehr – ich male, ich stricke, ich backe und das Designen gehörte ab dem Punkt auch dazu. Dass es sich aber zu so einer Leidenschaft entwickeln würde, hätte ich auch nicht gedacht. Ich habe dadurch auch viele, tolle Menschen kennengelernt, habe schon viele geniale und neue Bücher entdeckt und fühle mich einfach sehr wohl! Sicher gibt es hier und da auch Zeiten, wo man sich denkt: „Jetzt höre ich auf ...“ Sei es aus privaten Gründen, wegen schwieriger Kunden oder einfach wegen Menschen, die meinen, alles schlecht reden zu müssen, um einen runter zu machen und zu demotivieren. Leider passiert einem gerade in der Anfangszeit so etwas. Man ist neu, man versucht sich einen Namen zu machen und zu integrieren, und man ist noch unsicher! Ein gefundenes Fressen. Musste ich auch schon ein paar Mal durch. Aber ich habe zum Glück meine Leute, die mir dann den Kopf waschen und hinter mir stehen! Für diese Leute bin dankbar und ich möchte mich auch sehr gerne für die Hilfe und Unterstützung bedanken!

Romance Alliance: Kannst du den Lesern kurz erklären, wie ein Auftragscover entsteht?
Michelle: Gerne!
Bei mir läuft das so, dass ich dem Autor einen Datenbogen zukommen lasse, in welchem allgemeine Fragen und Informationen bezüglich des Designs stehen. Ich muss zum Beispiel wissen, welche Designs benötigt werden, ob Goodiedesigns vorgesehen sind, welchen Titel das Buch haben wird und ich brauche natürlich auch eine Inhaltsangabe und wichtige Fakten zu den Protagonisten.
Alles, was man einfach so braucht, um sich ein Bild von der Story zu machen. Auf Basis der Informationen kann der Autor sich dann eines meiner Designpakete aussuchen bzw. ich empfehle eins (unterschiedliche Preisklassen, unterschiedlich viele Leistungen) und ein allgemeines Gespräch über meine Vorstellungen wird geführt.
Und dann geht es eigentlich schon los mit der Bildersuche, den Rohfassungen und den Versuchen mit den Schriften.

Romance Alliance: Gibt es meist Vorschläge vom Autor oder darf der Designer sich austoben?
Michelle: Das kann mal so und mal so vorkommen.
Ich habe schon mit Autoren gearbeitet, die eine feste Vorstellung hatten und auch schon passende Bilder rausgesucht haben, sodass man eigentlich „nur noch“ ein schönes Design daraus erstellen musste.
Auf der anderen Seite habe ich aber auch bereits mit Autoren gearbeitet, die mir einige Infos über ihr Werk gegeben haben, mir ein Beispiel als Design vorgelegt haben und dann gesagt haben – und los!
Das kommt meist immer auf den Autor an. Ob der Autor nun schon ein festes Design im Kopf hat, oder sich teils auch überraschen lassen möchte, beide Arten machen großen Spaß!

Romance Alliance: Klaffen die Wünsche von Autoren und dem, was Leser bevorzugen, weit auseinander?
Michelle: Normalerweise nicht.
Das Cover spiegelt ja einen Teil des Inhalts wieder und soll den Leser sofort einfangen. Der Autor kennt seine Geschichte am aller besten und vermittelt seinen Eindruck weiter an den Leser.
Ich persönlich habe noch nicht erlebt, dass ein Leser darauf aufmerksam gemacht hat, dass er sich ein anderes Cover zu einem Buch gewünscht hätte.

Romance Alliance: Wie findest du bei Premade Covern heraus, was Autoren und Lesern gefallen könnte? Kannst du uns das vielleicht sogar anhand eines von dir kreierten Covers erklären?
Michelle: Ich habe mir nun gezielt dieses Premade rausgesucht, weil es eines meiner Lieblinge ist.




Romance Alliance: Also, wie finde ich denn heraus, was bei Lesern und Autoren gut ankommt?
Michelle: Generell gibt es immer einen aufkommenden Trend, an dem man sich sehr gut orientieren kann.
Bei diesem Beispiel wären es eben die kommenden Märchenadaptionen, welche momentan sehr beliebt sind und voraussichtlich weiterhin sein werden.
Ich muss aber gestehen, dass ich Premades oftmals auch einfach nach meinem eigenen Befinden gestalte.
Zum Beispiel lese ich sehr, sehr gerne Fantasy-Bücher, weswegen man bei mir momentan wohl auch mehr Fantasy-Premades findet, als z. B. Love oder Horror.
Ich denke bei Premades geht es jedem Designer ähnlich: Er sieht etwas und hat ein Bild vor Augen. Man kann sich austoben und ist nur an Vorgaben des Autors gebunden.
Für mich eine der besten Arten, zu entspannen!

Romance Alliance: Gibt es derzeit Trends?
Michelle: Ja.
Auf jeden Fall sind Love/Pärchen-Cover momentan absolut der Renner. Sowie Märchen bzw. märchenhafte Cover.
Was auch im Kommen ist, sind schlichte Cover mit Ornamenten verziert.

Romance Alliance: Wie vermeidest du Coverzwillinge? Also Cover, die dem eines anderen Buches stark ähneln.
Michelle: Ich arbeite immer(!) mit mindestens 2 Stockfotos, Aktionen und Overlays.
Durch das Spielen mit den Lichtverhältnissen und den Kurven, kann man dem Bild schon ein ganz anderes Feeling geben.
Außerdem liebe ich es, Covern immer noch einen kleinen Touch zu geben bzw. aus anderen Bildern etwas Passendes auszuschneiden und einzusetzen.
Nimmt man das Beispiel eines Pärchens, was ein anderer Designer bereits verwendet hat, kann man z. B. das Haar der Frau anders einfärben, noch kleine Extras einbauen und einen ganz anderen Hintergrund einfügen. Das Pärchen bleibt zwar dasselbe, aber durch die Veränderungen, kann man die Cover ganz klar unterscheiden.

Romance Alliance: Worauf sollte man als Autor bei der Wahl eines Coverdesigners achten?

Michelle: Wichtig ist, dass sich Designer und Autor sofort verstehen.

Der Autor muss sich bei seinem Designer gut aufgehoben fühlen. Seine Wünsche stehen an erster Stelle! Anders herum ist es auch wichtig, dass der Autor auf die Vorschläge seines Designers eingeht und sich Ideen anhört.

Oftmals haben Autoren eine Vorstellung von ihrem Cover, welche leider nicht umzusetzen ist.
Man will natürlich das tollste und beste Cover haben – aber hier gilt, weniger ist manchmal mehr! Als Designer hat man einen neutralen Einblick in das Buch und in die Vorstellungen des Autors. Man kann wichtige Elemente erkennen und dem Autor so Vorschläge unterbreiten.
Mir ist wichtig, dass ich eng mit dem Autor zusammenarbeite. Ich möchte genau wissen, wie er sich das Cover vorstellt,  was unbedingt drauf soll und was ihm besonders wichtig ist. Ich stehe dem Autor auch jederzeit für spontane Ideen zu Verfügung und konzentriere mich ganz auf das Design.
Ich denke, das ist sehr wichtig. Wenn der Autor sich nicht sofort gut aufgehoben und verstanden fühlt und der Designer schon beim ersten Versuch des Designs absolut nicht den Geschmack des Autors trifft, harmoniert man vielleicht nicht miteinander.

Romance Alliance: Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Cover verkaufsfertig ist?
Michelle: Darauf kann man eigentlich keine direkte Antwort geben.
Das ist absolut unterschiedlich.
Ich hatte schon einen Auftrag, wo ich ein Design angefertigt habe und der Autor sofort begeistert war und keine weiteren Änderungen nötig waren. Das Cover war also sozusagen nach einer Stunde bereits fertig.
Ich hatte aber auch schon Aufträge, wo das Design passte, aber einige Kleinigkeiten noch zu ändern bzw. anzupassen waren. Das hat dann zwei Tage gedauert.
Generell rechne ich immer an die drei bis vier Wochen für ein komplettes Design ein. Das beinhaltet Cover samt Goodiedesign, Facebook-Werbung etc. So kommt man nicht in Zeitdruck und man kann sich in Ruhe mit den Wünschen und Änderungen des Autors befassen.


Romance Alliance: Mit welchen Kosten muss ein Autor rechnen und wie setzen sich diese zusammen?
Michelle: Also zu aller erst kommen die Kosten der Bilder, Illustrationen und/oder Vektoren auf den Autor zu.
Es gibt Designer, die ausschließlich mit Stockbildern arbeiten und es gibt Designer, die auch mit Illustrationen arbeiten bzw. selbst erstellen.
Die Preisklassen sind dann schon recht unterschiedlich – es kommt auch darauf an, wie detailreich ein Designer arbeitet oder eben nicht. Jemand, der sehr ins Detail geht und sehr viel Zeit und Leidenschaft in das perfekte Cover steckt, nimmt natürlich auch etwas mehr Geld als jemand, der einfach nur schlicht ein Bild nimmt und dann den Titel dazu schreibt.
Der Autor muss also neben dem Preis der Bilder/Illustrationen auch mit dem Preis der Arbeitszeit und dem Aufwand rechnen.

Romance Alliance: Was ist bei einem Cover wichtig?
Michelle: Bei einem Cover ist wichtig, dass es ein absoluter Eye-Catcher ist!
Der Leser muss das Cover sehen und sofort Interesse zeigen. So wird das Buch in die Hand genommen, umgedreht und der Klappentext erledigt den Rest.
Eine Kaufentscheidung hängt also ebenso von dem passenden und ansprechenden Cover ab, als auch von dem perfekten Klappentext!

Romance Alliance: Was ist wichtig?
Michelle: Das Farben und Bilder harmonieren. Die Schriftart muss ebenfalls zum Erscheinungsbild passen und es darf nicht zu aufdringlich sein.
Man sollte beachten, dass das Design als Print und als Ebook wirkt. Das heißt, in schwarz-weiß muss das Design auch noch zu erkennen sein und muss auch in Briefmarkenformat auffallen!
Und hier wieder der leitende Spruch:
Weniger ist manchmal mehr!
Es reicht, wenn der Fokus auf der Frau liegt – was dann noch relevant und wichtig ist, kann noch mit in den Hintergrund einfließen.
Beispiel:

Romance Alliance: Gibt es absolute No-Go’s?
Michelle: Ja, die gibt es durchaus!
Bei einem Cover kann man leider recht viel falsch machen.
Angefangen von zu vielen verschiedenen Schriftarten, zu kleiner und unleserlicher Schrift bis hin zu gezerrten Bildern und zu krassen Farben, die einfach nicht zusammenpassen.
Nur weil man Photoshop oder ein anderes Bearbeitungsprogramm besitzt, kann man nicht zeitgleich Cover bearbeiten. Da gehört schon etwas mehr dazu. Man muss nicht zwangsläufig studiert haben, um gut zu sein, aber man sollte schon für sich selbst viel Zeit und Mühe in Recherchen und Tutorials stecken, bevor man seine Dienste anbietet!

Vielen Dank für das informative Interview! :) Wir freuen uns schon auf weitere Designs von dir. Und wer sich nun auch für Michelles Cover interessiert, kann unter https://www.facebook.com/snowbloodcreations/ oder https://snowbloodcreations.jimdo.com/ schnuppern, was sie gerade noch so im Angebot hat.

Für die Romance Alliance
Mariella Heyd

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